3.Mai 2026
Liebe Tänzerinnen und Tänzer,
ich trage mich schon länger mit dem Gedanken, mir eine Auszeit zu nehmen – aus verschiedenen, jetzt auch gesundheitlichen Gründen. Mein Körper zeigt mir, dass es Zeit dafür ist. Auch wenn Verletzungen sich erstaunlich rasch wieder einrenken, und die Stoffwechselentgleisung laut Ärzten „nicht schlimm“ ist. Ich merke großen inneren Widerstand gegen ganz Vieles; Widerstand, in dem ich mich verfange, der mich lahm legt, der mich daran hindert, mein Leben zu leben und tatsächlich mit anderen Menschen in Kontakt zu sein.
Ich schaffe es gerade nicht, so für euch und auch für mich präsent zu sein, wie wir das alle verdienen.
Deshalb möchte ich mich bis zum Oktober kürzer treten, bzw. mir ab Juli eine Auszeit zu nehmen. Die bereits terminisierten Veranstaltungen bis Ende Juli mache ich gerne noch, genauso wie die Sommer-Workshops „Sommerwellen am Wörthersee“, „Kraft des Seins“ am Grundlsee und die Frauen-Wandergruppen „Almenwanderung“ und „Nordseite des Gesäuse“.
Die Donnerstage bis zum Sommer habe ich bereits abgegeben, die FrauenZeit bis Oktober ausgesetzt. Um die Übernahme meiner organisatorischen Aufgaben innerhalb des Vereins bemühe ich mich gerade (Danke Helga Bauer!).
Ich möchte die Zeit nutzen, um viel draussen zu sein, zu wandern, zu reisen – mit wenig Gepäck, allein oder auch in kleinen Gruppen. Wo und wie wird sich noch finden.
Diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen, und sie ist verbunden mit den unterschiedlichsten Gefühlen: Von der Vorfreude auf die leere Zeit bis hin zur Angst, im Herbst dann alleine auf der Tanzfläche zu stehen. Da sind viele Bedenken, und auch das Wissen, dass ich wahrscheinlich zu viel Drama um diese Entscheidung mache.
Ich danke euch für das Vertrauen, das ihr mir bisher entgegengebracht habt. Und ich vertraue darauf, dass wir uns in der einen oder anderen Form spätestens im Herbst wieder sehen!
Mit herzlichen Grüßen,
Eva
11.3.2026
HIER EIN TEXT, DEN ICH 2022 ANLÄSSLICH DES BEGINNS DES UKRAINEKRIEGS GESCHRIEBEN HABE. ES IST ERSCHRECKEND, IN WELCH KURZER ZEIT ER WIEDER AKTUELL GEWORDEN IST (die Namen der Länder und Beteiligten sind austauschbar)
Was hat Bestand im Angesicht von Krieg?
Im Angesicht von Zerstörung und Vertreibung?
Im Angesicht von Leid und Tod?
Welche Worte sind angemessen vor dem Hintergrund der Kriegshandlungen, die in der Ukraine stattfinden? Irgendwie relativieren diese harten Bilder so ziemlich alles was ich in meiner noch immer wohlgeordneten, sicher scheinenden Welt tue, denke, fühle.
Worte verlieren an Gewicht, Konzepte an Gültigkeit, Gefühle an Intensität.
Was bleibt ist ein Oszillieren zwischen dem gebannten Erstarren vor den Bildern und Meldungen in den unterschiedlichsten Medien, und meinem gezielten Verdrängen der Informationen, die sie enthalten. Ich pendle zwischen Angst vor dem Weltuntergang, Wut auf Herrn Putin als Auslöser dieser meiner Ängste, und dem Drang irgendetwas tun zu wollen – zu helfen genauso wie auf Herrn Putin und seine Männer einzudreschen.
Denn alles fühlt sich besser an als das Gefühl der Hilflosigkeit, die mich immer wieder lähmt.
Mathis Huber, Leiter des Musikfestivals STYRIARTE, stellt in einem Brief an seine potentiellen Besucher (des Jahres 2022) die Frage: „Darf man das? ….Angesichts des Krieges, des Leids zu musizieren, zu singen, sich den schönen Dingen des Lebens zu widmen?“ Und er beantwortet seine Frage sinngemäß damit, dass es auch genau darum geht, (durch das Erleben von Kunst und Musik) eine Gemeinschaft zu stärken, damit sie handlungsfähig bleibt in ihren Taten, erlebnisfähig in ihren Gefühlen, und klar genauso wie flexibel in ihren Gedanken und Konzepten. (https://styriarte.com/aktuelles/statement-darf-man-das)
In diesem Sinne kann ich die Augenblicke der Freude, der Entspannung, der Dankbarkeit so wie sie auch jetzt in meinem Leben stattfinden, annehmen – jene Momente, wenn ich nicht anders kann, als aus vollem Herzen JA-Sagen:
zu einem wohlschmeckenden Abendessen mit Freunden;
zu den zahlreichen jungen Menschen, die ihren Weg in meinen Tanzraum gefunden haben – manche mit Gusto und der Erwartung von Freude und positiven Erlebnissen, manche mit Vorbehalten und einem fortlaufenden inneren Dialog, durch den sie sich immer wieder überzeugen, dass der Schritt auf die Tanzfläche der richtige ist;
zu den Stunden, in denen ich am Küchentisch sitze und meiner Intuition mit Papier, Klebstoff und Farben freien Lauf lasse.
Meine Freude über diese Erfahrungen wird niemanden vor dem Geschoss aus einer Waffe retten. Meine Bilder werden niemandem die Hindernisse auf der Flucht aus einer militärisch angegriffenen Stadt aus dem Weg räumen.
Aber vielleicht wird in dem Raum, der durch mein Handeln entsteht, ein Funke geboren, der ein Gegengewicht darstellen kann zur Zerstörung, die gerade – und permanent und weltweit – stattfindet.
Ja, ich weiss, wer bin ich schon…. und doch: in seinem Buch „Everything is fucked“ kommt Mark Manson zu folgendem Schluss: jedeR einzelne von uns ist in seiner/ihrer Singularität einerseits vollkommen unbedeutend für das Große und Ganze – und dadurch frei, und aufgefordert, sein/ihr ganzes Potential zu entwickeln und auszuschöpfen. https://www.goodreads.com/book/show/43808723-everything-is-f-cked
sprich: Es ist völlig egal, ob ich gerade jetzt einen 5Rhythmen-Tanzabend anbiete oder nicht, ob ich ein Bild gestalte oder nicht. Aber wenn ich es tue, kann ein Raum des Erlebens entstehen, in dem sich Funken entzünden können, die in ihrer Summe dann die Welt erhellen.
In diesem Sinne hat so ziemlich alles Bestand; wenn ich denn handle, wenn ich denn fühle, wenn und wie ich mich ausdrücke – auch im Angesicht von Krieg und Zerstörung
irgendwann, wahrscheinlich 2015

Der Tanz liegt mir am Herzen, und seit ich laufen kann, fährt er mir immer wieder in die Beine und ins Herz und ins Hirn.
Er eröffnete mir einen Weg, mich selbst besser kennenzulernen, und mich in seiner Sprache auszudrücken. Aus diesem Bedürfnis heraus entstanden unter anderem die Tanztheater- und Performance-Stücke, die ich in meiner Zeit als aktive professionelle Tänzerin und Choreografin schuf.
Schon währenddessen entwickelte sich mein Interesse an den Hintergründen, den Entstehungsgeschichten von Bewegungen, von tänzerischen Begegnungen. Ich absolvierte eine Tanztherapieausbildung und arbeite jetzt mit Menschen, die sich aus den verschiedensten Gründen auf eine Spurensuche für ihr persönliches Wachstum begeben.
Ich liebe es, sichere Räume zu schaffen – im Außen wie im Innen – und sie all jenen zur Verfügung zu stellen, die sich mit mir auf dieser Spielwiese des Tanzes und der Körpererfahrung treffen wollen, um auf lustvolle Weise mehr über sich zu erfahren.
sogenannte Eckdaten:
1988 Mag.phil. der Uni Graz – Lehramt für Englisch und Leibeserziehung
1988 Master of Arts an der State University of New York at Buffalo, NY im Fach Women’s Studies
1994 Diplom der School for New Dance Development der Kunsthochschule Amsterdam im Fach New Dance
2009 Diplom für Tanz- und Ausdruckstherapie (Veronika Fritsch, Graz)
2014 zertifizierte Lehrerin für 5Rhythmen nach Gabrielle Roth, waves-level
seit 1982 Aus-, Fort- und Weiterbildung in verschiedenen Formen des Tanzes und der Körperarbeit (Yoga, Butoh, Release Technik, Improvisation, Contact Improvisation);
1988-2006 aktiv als Tänzerin und Choreographin in verschiedenen Kollaborationsprojekten mit KünstlerInnen in Graz, Amsterdam, New York, Berlin und St.Petersburg. Zur selben Zeit eigenständige Tanzstücke und Performances. Gründung von tanzbAAr, Aufführungen in Graz, Wien, Amsterdam und Berlin.
Sonstige Ausbildungen:
Psychoonkologie
Diplom für Dialogisch-systemische Aufstellungsarbeit und Familienrekonstruktion (Guni Baxa, Graz)
Naturtherapeutische Erlebnispädagogik (Reskon, Weiz)
Licht-Körperarbeit (B. TenWolde, Innsbruck)
Wanderführerin (in Ausbildung – weil nur für die Sommersaison)
Seit 1988 Unterrichtstätigkeit und Projekte im Bereich Tanz, Bewegung und Körpererfahrung für verschiedene Gruppen (TänzerInnen, SchauspielerInnen, Laien, SchülerInnen, SeniorInnen, Menschen mit besonderen Bedürfnissen).